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Die Osteoporose
ist als eine systemische Skeletterkrankung definiert, bei der es zu einer
niedrigen Knochenmasse und einer Verschlechterung der Mikroarchitektur des
Knochengewebes kommt, mit der Folge vermehrter Knochenbrüchigkeit. Die
Osteoporose ist inzwischen eine Volkskrankheit. Experten gehen davon aus,
dass in Deutschland etwa 8 Mio. Menschen an Osteoporose leiden, jede vierte
Person über fünfzig Jahre dürfte betroffen sein. Der Knochen unterliegt
zeitlebens ständigen Umbauprozessen. Die Knochenstruktur wird den
wechselnden Bedürfnissen angepasst. Im Alter zwischen 25 und 30 Jahren
erreicht der Mensch die maximale Knochendichte, spätestens nach dem
dreißigsten Lebensjahr wird die Knochenbilanz negativ, es kommt zu
durchschnittlich 1 Prozent Knochenverlust pro Jahr. Bei der Frau steigt nach
der Menopause mit Abfall des Östrogenspiegels der Verlust an Knochensubstanz
rapide an: bis auf vier Prozent pro Jahr. Die Frau verliert also vom
vierzigsten bis zum siebzigsten Lebensjahr durchschnittlich vierzig Prozent
ihrer Knochenmasse, der Mann verliert im gleichen Zeitraum nur etwa zwölf
Prozent.
Die maximale Knochenmasse des jungen Erwachsenen ist daher ein wichtiges
Kapital, das für die Knochengesundheit eine zentrale Rolle spielt. Bei der
Osteoporose kommt es zu verschiedenen Veränderungen des Knochengewebes, z.B.
zu einer erniedrigten Knochendichte, zu einem minderwertigen Aufbau der
Knochensubstanz, einer fehlerhaften Struktur und Verknüpfung der
Kollagenmoleküle, zu mangelhaften Reparaturmechnismen und zu mangelhafter
Mineralisation der Knochenmatrix.
Für die Entwicklung einer Osteoporose gibt es zahlreiche Risikofaktoren, die
beeinflussbar sind. Fehlende körperliche Aktivität, d.h. ein chronischer
Bewegungsmangel, ist ein wichtiger Risikofaktor für die Entstehung der
Osteoporose, aber auch eine übermäßige sportliche Aktivität fördert die
Entstehung dieser Erkrankung. Untergewicht ist mit einer Verminderung der
Knochendichte assoziiert. Weitere Faktoren sind hormonelle Veränderungen wie
z.B. eine früh einsetzende Menopause bei der Frau oder ein Testosteronmangel
beim Mann. Rauchen, hoher Alkoholkonsum, starker Kaffeekonsum erhöhen
ebenfalls das Osteoporoserisiko. Einen ungünstigen Effekt auf den
Knochenstoffwechsel haben auch Depressionen, die mit einem höheren Spiegel
von Stresshormonen oder proinflammatorischen Zytokinen verbunden sind.
Zahlreiche Medikamente können die Knochen schwächen, wobei hier insbesondere
die Therapie mit Cortison zu erwähnen ist. Ein ganz wichtiger Faktor für die
Entstehung einer Osteoporose ist die Fehlernährung. Neben Alkohol und
Koffein wirkt sich auch ein hoher Verbrauch von Zucker ungünstig auf den
Knochenstoffwechsel aus. Ein weiterer Risikofaktor ist eine hohe
Phosphatzufuhr, wobei als Phosphatquelle Fleisch- und Wurstwaren und
Softdrinks die Hauptquelle darstellen. Eine hohe Zufuhr von Salz und
tierischem Eiweiß vermehrt die Calciumausscheidung über den Urin. Generell
ist eine säurebetonte Ernährung wie z.B. die typische „Western Diet“
ungünstig für die Knochen, da zur Neutralisierung von Säuren alkalische
Salze aus dem Knochen mobilisiert werden müssen.
Für Aufbau und Erhalt der Knochendichte sind mehrere Mikronährstoffe
essentiell. Die Entstehung der Osteoporose wird also keineswegs nur durch
einen Calciummangel ausgelöst.
Zink
Der Knochen enthält ca. ein Drittel des Körper-Zinkgehalts. Bei einem
Zinkmangel ist die Aktivität der Knochenaufbauzellen, der Osteoblasten,
vermindert, ebenso die Bildung wichtiger Knochenbausteine wie Kollagene und
Proteoglykane. Zink kann auch die Knochenresorption durch die
Knochenabbauzellen (Osteoklasten) vermindern. Zink hat einen anabolen Effekt
auf den Knochenstoffwechsel.
Kupfer
Kupfer hat zahlreiche pyhsiologische Funktionen im Stoffwechsel inne,
hauptsächlich als Teil kupferhaltiger Metalloenzyme. Die kupferhaltigen
Enzyme Phenoloxidase und Lysinoxidase sind am Kollagenstoffwechsel beteiligt
und deshalb wichtig für die Struktur von Knochen- und Bindegewebe. Eine
kleine US-amerikanischeStudie, die 2010 publiziert wurde, ergab, dass eine
Kupfersupplementierung bei jungen Frauen die Konzentration der
Kollagen-Cross-Links im Urin erhöht. Letztere sind ein Marker für den
Knochenumsatz und des gesamten Kollagengehalts.
In der Fachzeitung „Biological Trace Element Research“ wurde 2008 eine
Untersuchung über die Zusammenhänge der Kupferkonzentration im Blutplasma
mit der Knochendichte publiziert. Es zeigte sich, dass die
Plasma-Kupfer-Konzentration sehr gut mit der Knochendichte der
Lendenwirbelsäule korrelierte.
Mangan
Mangan ist ein Cofaktor für die Synthese von Proteoglykanen, die für die
Bildung von Knochen und Knorpeln gebraucht werden. Mangan wird auch für die
Bereitstellung der Aminosäure Prolin zur Kollagenbildung benötigt. Bei
Frauen mit Osteoporose wurden niedrige Plasma-Mangan-Konzentrationen
beschrieben. Durch eine Supplementierung von Calcium, Kupfer, Zink und
Mangan konnte ein Verlust der Knochenmasse über einen Zeitraum von 2 Jahren
deutlich vermindert werden.
Homocystein
Homocystein ist als Risikofaktor für Gefäßerkrankungen bekannt. In
epidemiologischen Studien konnte weiterhin ein Zusammenhang zwischen einem
erhöhten Risiko für osteoporotische Frakturen und höhere
Homocysteinkonzentrationen nachgewiesen werden. Hohe
Homocysteinkonzentrationen erhöhen das Risiko für Osteoporose bei Frauen
nahezu um das Doppelte, bei Männern um das Vierfache. Homocystein wird
bekanntlich mit den Vitaminen B6, B12 und Folsäure abgebaut. Daraus ergibt
sich, dass eine zu geringe Aufnahme eines dieser Vitamine zu einem Anstieg
der Homocysteinkonzentration führen kann, wodurch dann auch das
Osteoporoserisiko ansteigt. Männer und Frauen mit
Vitamin-B12-Konzentrationen unter 200 ng/ l hatten eine geringere mittlere
Knochendichte als Personen mit höheren Konzentrationen.
Vitamin C
Vitamin C wird für die Hydroxylierung der Aminosäuren Prolin und Lysin
benötigt, die wiederum für die Quervernetzung der Kollagene entscheidend
ist. Ohne Vitamin C können nur schadhafte Kollagenmoleküle gebildet werden,
die der Funktion als Strukturproteine nicht nachkommen können. Außerdem
steigert Vitamin C die Aktivität der Osteoblasten. Frauen mit hohen
Vitamin-C-Konzentrationen hatten eine signifikant bessere Knochendichte,
wenn die Calciumzufuhr höher war als 500 mg täglich. 2008 wurde eine Studie
der Tuft-University publiziert, in der nachgewiesen wurde, dass eine hohe
Vitamin-C-Zufuhr bei alten Männern Knochenverluste reduzieren kann.
Vitamin K
Vitamin K ist für die Carboxylierung des Knochenproteins Osteocalcin
erforderlich. Letzteres spielt eine wichtige Rolle für die
Knochenmineralisation, kann diese Funktion aber nur in carboxylierter Form
entfalten. Um eine vollständige Carboxylierung des Osteocalcins zu
erreichen, bedarf es deutlich höherer Vitamin-K-Spiegel als zur Aktivierung
des Gerinnungssystems. Auch über andere Mechanismen wirkt Vitamin K einer
Osteoporose entgegen, z.B. durch Hemmung der Osteoklastenaktivität und
Hemmung der Bildung von Prostaglandin E2, das den Knochenabbau fördert. Bei
Frauen nach der Menopause wirkt Vitamin K signifikant gegen Osteoporose.
Vitamin D
Vitamin D ist unbestritten einer der wichtigsten Mikronährstoffe für den
Knochenstoffwechsel und zur Prävention der Osteoporose. Vitamin D fördert
die Calciumaufnahme über den Darm sowie die Mineralisation und Härtung des
Knochens. In Bezug auf die Osteoporose sind aber nicht nur die
Vitamin-D-Effekte auf den Knochenstoffwechsel bedeutsam, es gibt inzwischen
überzeugende Hinweise dafür, dass eine ausreichende Vitamin-D-Zufuhr bei
Senioren die Zahl der Stürze und Brüche, einschließlich der Hüftfrakturen,
um ungefähr 20 Prozent senken kann. Vitamin D ist also auch wichtig für die
Stärkung der Muskulatur.
Zur Senkung des Risikos für Hüftfrakturen ist eine Vitamin-D-Konzentratioen
(25-OH-D3) von über 30 ng/ ml erforderlich. Dieser Wert wird von älteren
Menschen selten erreicht, zumal bei diesen im Vergleich zu jungen Menschen
die körpereigene Vitamin-D-Synthese mit Hilfe des Sonnenlichts deutlich
vermindert ist.
Die „International Osteoporosis Foundation“ empfiehlt älteren Menschen über
60 die Einnahme von 800 – 1000 IE Vitamin D täglich.
Calcium
Calcium ist sicherlich der Mineralstoff, der von den meisten Menschen mit
der Knochengesundheit in Verbindung gebracht wird. Mehr als 99,5 Prozent des
Calciums sind in Knochen und Sehnen lokalisiert, bei Männern ca. 1 kg, bei
Frauen 0,8 kg. Unbestritten hat eine optimale Calciumzufuhr eine zentrale
Bedeutung für die Knochengesundheit, daraus folgt aber nicht, dass eine sehr
hohe Calciumzufuhr mit Hilfe von Supplementen zur Osteoporoseprävention
sinnvoll ist. Wie eine neue Metaanalyse zeigt, können Calciumsupplemente
allein das Knochenbruchrisiko an den langen Röhrenknochen und an der Hüfte
nicht vermindern. Möglicherweise steigt sogar das Hüftfrakuturrisiko. Jetzt
gibt es zudem deutliche Hinweise, dass die Einnahme von Calciumtabletten das
Herzinfarktrisiko erhöhen könnte. Aufgrund neuerer Daten muss die breit
praktizierte Basisempfehlung, Calciumsupplemente zur Osteoporoseprävention
einzusetzen, überdacht werden, wobei aber nach wie vor gilt, dass eine
ausreichende Calciumversorgung sichergestellt sein muss.
Magnesium
Der menschliche Körper enthält etwa 25 g Magnesium, etwa die Hälfte davon
ist an das Hydroxylapatit des Knochens gebunden. In epidemiologischen
Studien konnte ein Zusammenhang zwischen Magnesiummangel und Osteoporose
mehrfach nachgewiesen werden.
Magnesium ist nicht nur wichtig für den Knochenstoffwechsel in seiner
Funktion als Knochenbaustein, es spielt auch eine wichtige Rolle für die
Aktivierung von Vitamin D in den Nieren, d.h. ein Magnesiummangel kann die
Stoffwechseleffekte des Vitamins D erheblich einschränken.
Während bis vor einigen Jahren das Calcium als das Maß aller Dinge für die
Osteoporoseprävention angesehen wurde, so zeigt sich heute, dass viele
Mikronährstoffe notwendig sind und in ausreichender Menge verfügbar sein
müssen. Entgegen einer weitverbreiteten Meinung ist die
Mikronährstoffversorgung auch in Deutschland keineswegs zufriedenstellend,
wie die Ergebnisse der NVS II zeigen. Bei älteren Menschen treten in Folge
einseitiger Ernährungsgewohnheiten Mikronährstoffmängel gehäuft auf.
Referenz:
Rainer Bartl: Osteoporose; Thieme 2011
Cem Ekmekcioglu, Wolfgang Markl: Essenzielle Spurenelemente; SpringerWienNewYork 2006
Chaudhri MA et al.: Plasma copper and bone mineral density in osteopenia: an indicator of bone mineral density in osteopenic females; Biol Trace ELem Res. 2009 Summer; 129(1-3): 94-8
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Kathleen Doheny: Vitamin C: Goot for Your Bones; WebMD Health News; Sept. 19; 2008
Cees Vermeer and Elke Theuwissen: Vitamin K, osteoporosis and degenerative diseases of ageing; Menopause Int 2011; 17: 19-23
Ingrid Kreutz: Täglich Vitamin D spätestens ab 60 Jahren; Ärzte Zeitung, 24.01.2011
Uwe Beise: Osteoporose: Kalziumsupplemente erhöhen das Infarktrisiko; Schweizer Zeitschrift für Ernährungsmedizin 4/10
Aerzteblatt.de: Diät: Kalzium kann Osteoporose nicht vorbeugen; 25. Mai 2011
Jürgen Vormann:
Magnesium stärkt Knochen und Herz; 03.01.2006
Osteoporose-Screening
Bestimmt im Blut/ Serum werden:
• Calcium
• Magnesium
• Zink
• Kupfer
• Mangan
• Homocystein
• Vitamin C
• Vitamin D3
• Vitamin K
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